Auf dem 27C3 wurde wohl auch darüber philosophiert, wie sich das Berufsbild des Journalisten bis 2050 wandeln werde. Ich selbst konnte dem Kongreß nicht beiwohnen, würde aber dennoch gerne eine kurze Einschätzung abgeben. Speziell für Redakteure muss ich da auch keine 40 Jahre vorweggreifen – deren Berufsbild ändert sich schon heute rasant. Schauen wir uns mal an, wo wir schon in 10 Jahren stehen könnten.
Welche Zukunft haben Redakteure denn nun, wenn sich (und nicht erst seit gestern) eine Entwicklung abzeichnet, bei der Arbeitgeber für den reinen Quotenjob (News recherchieren/schreiben/umschreiben/kopieren) mehr und mehr auf Volontäre setzen, deren Berufsperspektive zwar noch “Redakteur” lautet, in der Praxis aber – ausgehölt durch mangelnde Aus- und Weiterbildung – doch kaum mehr als Make-up für einen Job als Fließbandarbeiter ist?
Sicher ist, dass das Berufsbild deutlich im Wandel begriffen ist. Fortschritt hat in die Manufakturen Einzug gehalten, mussten Redakteure früher noch telefonieren oder Recherche vor Ort betreiben genügen heute meist wenige Klicks im Browser und ein paar bereits aufbereitete (Presse-)Informationen per E-Mail. Und ich möchte ewig Gestrigen gerne wiedersprechen und behaupte: Dem “Qualitätsjournalismus” tut das nur wenig Abbruch.
Feld- Wald- und Wiesennachrichten kosten heute einfach nichts mehr. Damit einher geht natürlich auch ein Preisverfall, was Redakteure zu spüren bekommen: Entweder wird die Quote erhöht (also mehr Leistung bei gleichem Lohn) oder die Arbeit wird gleich an billigere Kräfte ausgelagert. Das ist eine an sich natürliche Entwicklung. Die ist beunruhigend, wenn man als Redakteur das gewohnte Weltbild nicht aufgeben möchte. Es ist aber auch spannend und aufregend, wenn man sich die Chancen ansieht, die diese Entwicklung bietet …
Sicher, das Schreiben von Nachrichten, das Aufbereiten von Informationen oder die Schulung von (Volontären) Kollegen werden nach wie vor zu den Grundlagen im Redakteursalltag zählen. Nur sehe ich den Redakteur in den kommenden Jahren in einem etwas weiter gefassten Kontext. Der Redakteur wird seine Tage nicht mehr länger in einem Büro (oder der Newsdesk-Legebatterie;)
fristen. Er wird abteilungsübergreifend als Kommunikationsleiter arbeiten.

Mitarbeiter twittern. Mitarbeiter sind bei Facebook aktiv. Sie bloggen und betreuen Freunde, Verwande und ebenso dienstliche Projekte in sozialen Netzwerken. Und Unternehmen erkennen das soziale und geistige Kapital ihrer Mitarbeiter mehr und mehr an. Allerdings stehen viele Unternehmen heute erst am Anfang, dieses Potential für sich erst richtig auszunutzen. Sie stehen vor dem Problem, je nach Branche das richtige Maß an Engagement in den verschiedensten Netzwerken zu bestimmen. Sie stehen vor der Frage, wie sie die soziale Intelligenz ihres Mitarbeiterschwarms in eine konstruktive Richtung lenken können.
Genau hier kommen die Kommunikationsleiter ins Spiel. Als erfahrene Redakteure wissen sie, wo sich die entscheidenen Informationen verbergen und wie diese Aufbereitet werden. Sie können einzelne Details zielgruppengerecht aufbereiten und genau dann dort zur Verfügung stellen, wo diese Informationen gebraucht werden. Sie pflegen Intranets, ergänzen Hintergrundinformationen und bauen Fachportale für den Dialog mit Kunden auf.
Und auch das ist Fortschritt. So wie der Redakteur im Verlag an Bedeutung verliert, so werden die Verlage weiter an Bedeutung als Informationsquelle verlieren – denn die Technik erlaubt es uns heute, sich diese Quelle direkt ins Haus zu holen. Vielleicht werden Verlage in 10-20 Jahren Dienstleister sein, die eine Kommunikationsleitung in Unternehmen aufbauen und integrieren?
Foto (Fisch):
Juliana Coutinho, via Flickr.